Ratgeber · Recht & Organisation

Einwilligung für Interviews auf der Messe: Vorlage und Praxis

Wer vor Ihrer Kamera spricht, gibt Gesicht, Stimme und Aussage aus der Hand. Eine klare Einwilligung schützt beide Seiten. Hier lesen Sie, was hineingehört, finden eine Vorlage zum Anpassen und den Ablauf am Stand. Praxisleitfaden, keine Rechtsberatung.

Lesezeit ca. 4 Min.Stand: Oktober 2026Für AusstellerRecht & Organisation
Gesprächspartnerin unterschreibt vor einem Interview am Messestand ein Formular, daneben Kamera und Mikrofon

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Warum ein Interview eine eigene Einwilligung braucht

Ein Interview ist mehr als ein Foto. Die Person ist lange und groß im Bild, ihre Stimme ist zu hören, und sie sagt etwas, das mit ihrem Namen und oft mit ihrem Arbeitgeber verbunden wird. Die Aufnahme wird geschnitten, untertitelt und über Monate auf verschiedenen Kanälen genutzt. Auf ein berechtigtes Interesse allein sollten Sie sich hier nicht verlassen. Der sichere Weg ist eine schriftliche Einwilligung. Die Grundlagen dazu erklärt der Ratgeber Bildrechte auf Messen.

Das gilt besonders für Menschen, die nicht bei Ihnen angestellt sind: Kunden, Distributoren, Partner, Fachbesucher. Entsteht später Unklarheit, haben sie keinen Anlass, Ihnen entgegenzukommen. Eine saubere Einwilligung beantwortet die Fragen, bevor jemand sie stellt.

Dieser Ratgeber ist eine praktische Orientierung und keine Rechtsberatung. Die Vorlage unten ist ein Ausgangspunkt, den Ihre Rechtsabteilung oder Ihr Datenschutzbeauftragter an Ihr Unternehmen anpassen sollte.

Was in die Einwilligung gehört

Ist eine Vergütung oder ein Gegenwert vereinbart, gehört auch das in das Formular. Bei Minderjährigen unterschreiben die Erziehungsberechtigten.

Eine Vorlage zum Anpassen

Die folgende Formulierung ist bewusst einfach gehalten. Passen Sie die Angaben in eckigen Klammern an und lassen Sie den Text vor dem Einsatz prüfen.

Einwilligung in Bild- und Tonaufnahmen

Ich bin damit einverstanden, dass [Firma, Adresse] am [Datum] auf der Messe [Name der Messe] ein Interview mit mir in Bild und Ton aufzeichnet und Fotos von mir anfertigt. Die Aufnahmen dürfen gekürzt, geschnitten, untertitelt und übersetzt und mit meinem Namen, meiner Funktion und meinem Unternehmen versehen werden.

Die Aufnahmen dürfen für folgende Zwecke genutzt werden: [Website, Social-Media-Kanäle, Messefilm, Präsentationen, Newsletter, Anzeigen] in [Ländern oder Regionen, falls relevant]. Die Nutzung ist [zeitlich unbefristet / bis zum Datum] erlaubt.

Meine Teilnahme ist freiwillig. Ich kann diese Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, per E-Mail an [Adresse]. Bereits veröffentlichte Inhalte werden dann, soweit möglich, entfernt. Informationen zum Datenschutz: [Link].

Name, Funktion, Unternehmen, Ort, Datum, Unterschrift

Praxis am Stand: wann und wie unterschreiben

  1. Vorher schicken: Kunden und Partner erhalten das Formular einige Tage vor der Messe zusammen mit der Interviewanfrage.
  2. Vor der Aufnahme unterschreiben, nicht danach. Nach dem Interview ist die Person in Eile, und der nächste Termin wartet.
  3. Papier oder Tablet: Beides funktioniert. Papierformulare direkt abfotografieren und dem Projekt zuordnen.
  4. Verständliche Sprache: Das Formular in einer Sprache anbieten, die die Person sicher versteht, mindestens Deutsch und Englisch. Prüfen Sie dabei gleich die Schreibweise der Namen für die Einblendungen.
  5. Kurze Bestätigung vor der Kamera: ein Satz wie: Ich bin einverstanden, dass dieses Interview für die Kommunikation von [Firma] genutzt wird. Das ersetzt die Unterschrift nicht, ist aber ein zusätzlicher Nachweis.

Prüfen Sie bei Kundeninterviews früh, ob die Person eine Freigabe ihres Arbeitgebers braucht, um öffentlich über Sie als Lieferanten zu sprechen. Sonst scheitert der beste Satz im Film an der Freigabe. Wie Sie Fragen und Ton vorbereiten, lesen Sie im Ratgeber Interview am Messestand.

Freigabe, Änderungen und Widerruf

Zeigen Sie Kunden und Partnern den fertigen Schnitt vor der Veröffentlichung. Das kostet einen Tag und vermeidet Ärger. Achten Sie besonders auf die Untertitel: Eine Übersetzung muss sinngemäß stimmen, Namen, Funktionen und Produktbezeichnungen müssen korrekt geschrieben sein.

Wird die Einwilligung widerrufen, gilt das für die Zukunft. Neue Veröffentlichungen mit der Person sind dann nicht mehr möglich, bestehende Posts und Seiten sollten Sie prüfen und, soweit möglich, anpassen. Was bereits gedruckt und verteilt ist, lässt sich in der Regel nicht zurückholen. Bei Filmen mit mehreren Gesprächspartnern hilft es, die Schnittfassungen so anzulegen, dass eine Person herausgenommen werden kann.

Bewahren Sie die Einwilligungen so lange auf, wie Sie die Aufnahmen nutzen, und verknüpfen Sie sie mit dem Projekt im Archiv. Wer in zwei Jahren einen Clip wiederverwenden möchte, muss sehen können, wofür er freigegeben ist.

Checkliste für den Messetag

  1. Formular von der Rechtsabteilung prüfen lassen, in den nötigen Sprachen.
  2. Formular mit der Interviewanfrage vorab verschicken.
  3. Ausgedruckte Exemplare und Stifte am Stand bereitlegen, oder ein Tablet.
  4. Vor jedem Interview: Unterschrift prüfen, Name und Funktion notieren.
  5. Kurze Bestätigung vor der Kamera aufnehmen.
  6. Formulare am Abend abfotografieren und dem Projekt zuordnen.
  7. Schnitt vor der Veröffentlichung zur Freigabe schicken.

Bei Pixer führen wir Interviews auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Persisch. Schicken Sie uns Ihr Formular vorab, dann fragen wir vor jeder Aufnahme nach, ob die Unterschrift vorliegt. Mehr zu kurzen Kundenstimmen auf der Seite Testimonial-Video. Und noch einmal: Dies ist keine Rechtsberatung, die Vorlage ersetzt keine Prüfung durch Fachleute.

Kurz gesagt

Das Wichtigste in Kürze

✍️

Schriftlich

Für Interviews ist die schriftliche Einwilligung der sichere Weg.

📋

Konkrete Zwecke

Kanäle, Schnitt, Untertitel, Dauer und Widerruf klar benennen.

📨

Vorher schicken

Formular mit der Interviewanfrage verschicken, damit Fragen vor dem Messetag geklärt sind.

🌐

Verständliche Sprache

Formular mindestens auf Deutsch und Englisch, bei Bedarf in weiteren Sprachen.

🎬

Freigabe

Kunden und Partner sehen den Schnitt vor der Veröffentlichung.

🗂️

Archiv

Einwilligung mit dem Projekt ablegen, solange die Aufnahmen genutzt werden.

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FAQ

Häufige Fragen

Reicht eine mündliche Zustimmung vor der Kamera?

Sie ist besser als nichts und ein guter zusätzlicher Nachweis. Für die Nutzung in Marketing und Werbung ist eine schriftliche Einwilligung aber der sichere Weg.

Brauchen auch eigene Mitarbeiter eine Einwilligung für ein Interview?

Ja, auch für Mitarbeiter und Führungskräfte ist eine schriftliche Einwilligung sinnvoll, am besten mit demselben Formular, das Sie für Messefotos verwenden.

Was passiert, wenn ein Kunde seine Einwilligung später widerruft?

Der Widerruf gilt für die Zukunft. Sie nutzen das Interview nicht mehr neu und prüfen bestehende Veröffentlichungen. Schnittfassungen, aus denen sich eine Person herausnehmen lässt, machen das einfacher.

In welcher Sprache sollte das Formular sein?

In einer Sprache, die die Person sicher versteht. Deutsch und Englisch decken viele Fälle ab. Bei Gesprächspartnern aus anderen Ländern lohnt eine Übersetzung, die Ihre Rechtsabteilung prüft.

Können wir die Vorlage aus diesem Ratgeber direkt verwenden?

Sie ist ein Ausgangspunkt, keine geprüfte Rechtsvorlage. Lassen Sie sie von Ihrer Rechtsabteilung oder Ihrem Datenschutzbeauftragten an Ihr Unternehmen anpassen.

Muss der Videograf die Einwilligung einholen?

Verantwortlich ist das Unternehmen, das die Aufnahmen nutzt. Der Videograf kann aber vor jeder Aufnahme nachfragen, ob die Unterschrift vorliegt, und Sie daran erinnern, wenn sie fehlt.

Kontakt

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